Naturnahe Weiden Große Tiere - große Vielfalt!

Naturnahe Weiden für den Landkreis Freudenstadt

Die ökologisch wertvollste Nutzung eines jeden Grünlands stellt die extensive Beweidung mit Großherbivoren (große Pflanzenfresser) wie Rindern oder Pferden in Form einer Ganzjahresweide oder einer saisonalen Standweide dar.

Durch diese Nutzung entsteht ein vielfältiges Mosaik verschiedener Strukturen und Mikrohabitate, welches im Gegensatz zur Mahd oder mahdanalogen Weidesystemen (hoher Besatz, kurze Weidedauer) einem breiten Spektrum an Arten verschiedenster Artengruppen wie z.B. Pflanzen, Insekten, Reptilien, Amphibien, Fledermäusen und Vögeln einen Lebensraum bietet.

Viele bedrohte Arten in unserer heutigen Kulturlandschaft sind an blütenreiche Lebensräume gebunden und auf ein Netz funktionsfähiger Flächen angewiesen. Gleichzeitig sind durch die Ausrottung großer Pflanzenfresser genau die Ökosystem-Ingenieure aus unserer Landschaft verschwunden, die über Millionen Jahre eine Schlüsselrolle in der Entstehung europäischer Graslandökosysteme spielten.

Mit dem Projekt “Naturnahe Weiden Freudenstadt” möchte der Landschaftserhaltungsverband die wertvolle extensive Beweidung mit Großherbivoren stärker in den Fokus rücken und Betriebe bei der Umsetzung dieser naturnahen Bewirtschaftungsform unterstützen. Durch ein kreisweites Netzwerk von Weideflächen sollen wertvolle Lebensräume entstehen und miteinander verbunden werden – als Hotspots der Biodiversität und Rückzugsräume für bedrohte Arten.

Blauflügelige Ödlandschrecke
Blauflügelige Ödlandschrecke
Hinterwälder Rinder
Hinterwälder Rinder
Kreuzotter
Kreuzotter
Weißer Waldportier
Weißer Waldportier
Raupen des Kleinen Fuchs
Raupen des Kleinen Fuchs
Neuntöter
Neuntöter
Schottische Hochlandrinder
Schottische Hochlandrinder
Zauneidechse
Zauneidechse

Unser Netzwerk im Kreis

In den letzten Jahren sind an vielen Stellen Weideprojekte entstanden und einige sind bereits in Vorbereitung. So spannt sich unser kreisweites Netzwerk von Weideflächen durch die Landschaft und verbindet Lebensräume – als Hotspots der Biodiversität und Rückzugsräume für bedrohte Arten.

Folgend finden sich weitere Informationen zur Planung von Weideprojekten, geeigneten Weidetieren und unserem Weide-Stammtisch. Wer Interesse hat auf seinen Flächen oder mit seinen Tieren Teil des Projekts zu werden, darf sich gerne bei uns melden. Ganz nach dem Motto:

“Durch Fraß, Tritt und Dung hielten die großen Pflanzenfresser Landschaften licht, strukturiert und dynamisch und schufen damit die Grundlage für die hohe Artenvielfalt in Mitteleuropa. Eine Wiederherstellung artenreicher Lebensräume erfordert deshalb die Rückkehr der Beweidung als zentralen ökologischen Prozess.”

Quelle: Jan Haft - Warum der Beweidung die Zukunft gehört. Biologie unserer Zeit, 2/2026 (56).

Wie läuft ein Weide-Projekt ab?

Die Vorbereitungen für ein erfolgreiches Weideprojekt benötigen Zeit: Nachdem Flächenumfang und Flächenzugriff sowie Abstimmungen mit den Flächeneigentümern erfolgt sind, kann das Weide-Projekt geplant werden. Hierzu wird in Abstimmung mit dem beweidenden Betrieb ein Weidekonzept individuell für die Fläche und die naturschutzfachlichen Ziele für diese Weide ausgearbeitet. Es beinhaltet unter anderem Überlegungen zur eingesetzten Tierart, Besatzstärke und - dauer, Wasser- und Stromversorgung, Unterstand für die Tiere und dem Verlauf der Zauntrasse inkl. benötigten Toren. Ebenfalls erfolgen Abstimmungen mit weiteren Akteuren wie der unteren Naturschutzbehörde, Revierförster und Jagdpächter oder dem Regierungspräsidium. Natürlich muss auch die Finanzierung geklärt und entsprechende Förderanträge gestellt werden.

Weide als Daueraufgabe: Beratend steht der Landschaftserhaltungsverband dem beweidenden Betrieb zur Seite. Gegebenenfalls bedarf es z.B. eine veränderte Tierzahl auf der Fläche oder es müssen Pflegen zur Bekämpfung invasiver Arten durchgeführt werden. Durch regelmäßige Begehungen der Flächen dokumentiert der LEV auch die Erfolge der Beweidung.

Die Effekte der naturnahen Beweidung lassen nicht lange auf sich warten: Pferdweide am Nillaberg in Dietersweiler

Die Fläche wurde in den letzten Jahrzehnten mit Schafen beweidet und mit einer Mulchmahd nachgepflegt. Das Resultat dieser Bewirtschaftungsform war eine gräserdominierte Wiese ohne ganzjährige Strukturen.

Vorher: gemulchte Wiese mit Gräserdominanz
Vorher: gemulchte Wiese mit Gräserdominanz
Vorher: gleichmäßig gepflegte Vegetation
Vorher: gleichmäßig gepflegte Vegetation

Auf Anregung des Landschaftserhaltungsverbandes wurde die Bewirtschaftung im Jahr 2025 auf eine naturnahe Pferdeweide umgestellt. Von April bis Oktober weiden am Nillaberg auf rund 4 ha nun 5 Pferde. Die Flächenpflege wird über die Landschaftspflegerichtlinie Baden-Württemberg im Rahmen von 5-jährigen Verpflichtungen gefördert, der Zaun wurde in Eigenleistung des Landwirts errichtet und die Arbeitsstunden über die Landschaftspflegerichtline gefördert. Durch die Beweidung während der gesamten Vegetationsperiode werden die Ober-Gräser früh im Jahr geschwächt und es ist genug Licht für das Wachstum der Kräuter vorhanden. Die Wiese hat sich in eine blüten- und artenreiche Fläche verändert. Es konnten im zweiten Jahr bereits 5 verschiedene Orchideenarten nachgewiesen werden. Zahlreiche Insekten sowie Pilze und Zauneidechsen nutzen das Angebot des Mosaiks aus kurz- und langrasiger Vegetation, Offenbodenstellen, Dung und Gehölzen.

Islandpferd und Araber Pferde
Islandpferd und Araber Pferde
Dungpilze
Dungpilze
Bienen-Ragwurz
Bienen-Ragwurz
Zauneidechse
Zauneidechse
Pyramiden-Hundswurz
Pyramiden-Hundswurz
Trichterspinnennetz im Dung
Trichterspinnennetz im Dung

Weidetiere für Naturnahe Weiden

Weide-Stammtisch

Um das Netzwerk der Betriebe zu stärken, Erfahrungs- und Wissenensaustausch zu ermöglichen und Best Practice Beispiele vorzustellen, treffen wir uns 1 mal im Jahr im Rahmen unseres Weide-Stammtisches mit allen Interessenten. Termine werden rechtzeitig unter Aktuelles bekanntgegeben.

Neues von der Weide

Wir helfen gerne weiter!

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