rund ums Thema Naturnahe Beweidung in Dietersweiler
Bereits zum vierten Mal lud der LEV zu einem Landschaftspflegetag im Landkreis ein: dieses Mal in Form eines Abendspaziergangs. In Anlehnung an das von der UNO ausgerufene Internationale Jahr der Weiden und Hirten stand die naturnahe Beweidung im Fokus.
Sie ist DER zukunftsweisende Schlüsselfaktor für die Biodiversität schlechthin.
Wir starten auf einer Pferdeweide. Die Tiere beobachten in gebührendem Abstand, was wir auf ihren Flächen entdecken. Die Trockenheit hat auch diesen Flächen zugesetzt, aber der Strukturreichtum dieser naturnahen Weide in Form von kurzrasigen Bereichen, von Altgrasbeständen, von offenen Bodenstellen und Abbruchkanten sowie gemiedenen Bereichen, in denen zwischen Gräsern und Sträuchern diverse Rückzugsräume für viele weitere Arten entstehen, lässt sich wunderbar erkennen. Und was nicht mehr oder schwieriger ersichtlich sieht, wird vom Team des LEV erläutert - Stare, die im Frühling auf den kurzrasigen Bereichen leicht Nahrung finden, Brutröhren von Wildbienen in den kleinsten, sandigen Offenbodenstellen oder Goldammern, die in Altgrasbüscheln am Fuße von Weißdorn trotz Beweidung in Sicherheit brüten können. Der Strukturreichtum entsteht vor allem durch das Fraß- und Sozialverhalten großer Pflanzenfresser wie Rind, Pferd, Büffel und Esel. Auf dem Weg zum Eiskeller durch die Altgrasbestände bemerken alle die Vielzahl an Grashüpfern, die in alle Richtungen flüchten.
Der Eiskeller ist ein ehemaliger Bierlagerort, der im Zuge der Flurbereinigung wieder ausgegraben wurde. Mittlerweile befinden sich darin Fledermauskästen, die zukünftig als Sommerquartiere dienen sollen. Wenn man nun bedenkt, dass eine einzige Kuh, die das ganze Jahr auf einer Weide stehen darf und nicht medikamentös behandelt wird, etwa 10 t Mist hinterlässt, aus dem wiederum 100 kg Insektenmasse werden, dann wird sofort klar, dass die Kombination aus Beweidung und Fledermaushabitat ideal ist. Die 100 kg Insektenmasse können bis zu 10 kg kleine Wirbeltiere (z.B. Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Reptilien) ernähren. Der Vorteil naturnah beweideter Flächen ist eben, dass es keine Entweder-oder-Entscheidung ist, sondern ganzheitlicher Artenschutz.
Im Anschluss erklärt der stellvertretende Ortsvorsteher von Dietersweiler und Vollerwerbslandwirt Christian Nübel, dass er gerne mit dem LEV in vielen Projekten kooperiere, dass er aber für die Milch eben auch auf energiereiches Futter angewiesen sei, was viele Wiesen-Schnitte erfordere. Für ihn sei die Produktion von Lebensmitteln als Landwirt wichtig und dafür brauche es genauso Flächen. In der strukturreichen Landschaft Dietersweilers stellt das keinen Konflikt dar, sondern ein stimmiges Gesamtbild. Der LEV bekräftigt die sehr gute, mehrjährige Zusammenarbeit mit Herrn Nübel und ergänzt, dass der LEV genau hier die Brücke setze.
Abschließend wurde der ehemalige Steinbruch in Dietersweiler besichtigt. Dieser war nach dessen Stilllegung zugewachsen und als illegaler Müllablageplatz verwendet worden. Das Gelände konnte wieder geöffnet und durch die Schaffung vieler, temporärer Gewässer zu einem Eldorado für Kreuzkröten gestaltet werden. Unter den extremen Hitzebedingungen des Sommers stellt sich natürlich die Frage, ob wirklich alle Bäume weg mussten - da aber der Fokus auf Offenlandarten wie Kreuzkröte und Zauneidechse gelegt ist, ist es unter anderem wichtig, dass keine Ansitzwarten für Greifvögel bleiben. Um die Strukturvielfalt und die Insektenbiomasse zu erhöhen und den Steinbruch vor dem erneuten Zuwachsen zu bewahren, weiden Texas Longhorn Rinder und Ziegen auf dem Gelände.
Aufgrund des trockenen Sommers sind die Gewässer im Steinbruch mittlerweile alle trocken gefallen. Ein Kleingewässer wird künstlich bewässert, um auch den späten Kreuzkröten-Larven noch eine vollständige Entwicklung zu ermöglichen. Generell ist es aber durchaus gewollt, dass die Gewässer im Hochsommer austrocknen. So können sich keine Fressfeinde der Kreuzkröten-Larven wie z.B. Libellenlarven ansiedeln.
Die abendliche Exkursion klingt mit angeregten Gesprächen aus.
Wir freuen uns dieses wichtige Thema so augenscheinlich präsentieren zu können.
