Tag der Artenvielfalt 2026 Auf dem Waldacherhof

Zwischen Erbsen, Cresbach und Weiden

Natur- und Umweltschutz sind kein Luxus, den man sich leistet kann, sondern die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt wirtschaften, leben und uns entwickeln können. Dieser Gedanke wird sehr greifbar in der Landwirtschaft.

Landwirtschaftliche Betriebe sind nicht nur Produktionsstätten – sie sind Teil unserer Kulturlandschaft und tragen Verantwortung für ganze Lebensräume: Artenvielfalt und Landwirtschaft gehören zusammen. Ohne Bestäuber keine Erträge. Ohne gesunde Böden keine Zukunft. Ohne strukturreiche Landschaften keine Stabilität in unseren Ökosystemen.

Um sich davon zu überzeugen, trafen sich am Sonntag, den 14.06.2026 alle Interessierten auf dem Hof der Familie Renz (Waldacher Hof).

Simone Renz stellte den Familien-Betrieb vor und begleitete mit ihrem Hund und ihrem Vater den anschließenden Rundgang.

Start war am Erbsen-Hafergemenge, einer interessanten Acker-Mischkultur, die neben Vorteilen für die Stickstoffverfügbarkeit im Boden als regionales Futter für die hofeigenen Schweine verwendet wird. Der Wegsaum war farbenfoh mit Ackerwildkräutern wie Kornblume und Kamille gesät.

Durch den Wald ging es hinab ins Cresbachtäle zu den Nasswiesen, die seit 2019 von Gehölzen befreit wurden und seit dem von Familie Renz je nach Wasserstand der Wiesen gepflegt wurden. Viele Tier- und Pflanzenarten sind auf offene, extensiv genutzte Flächen angewiesen. Entfällt die Pflege, verbuschen diese Flächen und fallen als Lebensraum für Offenlandarten weg bzw. kann es auch passieren, dass besonders konkurrenzstarke Arten wie beispielsweise das Mädesüß Dominanzbestände bilden. Da diese Flächen schwer zu bewirtschaften sind, ist die Idee, sie zukünftig vom Mai bis Oktober mit 2 Wasserbüffeln zu beweiden. Eine extensive Beweidung bringt neben dem Vorteil der Offenhaltung viele wertvolle Strukturen, die als Rückzugsorte und Brut- und Nahrungshabitate vielen Arten dauerhaft zur Verfügung stehen. Außerdem ist auch der Dung großer Pflanzenfresser ein Hotspot der Artenvielfalt z.B. für Pilze und Insekten, die dann wieder die Nahrungsgrundlage für größere Arten sind.

Albert Koch

Von den Nasswiesen ging es zu den Mähwiesen, auf denen das Zittergras fröhlich im Wind schaukelte und zum Streuobst, welches auf allen Ebenen etwas für den Artenschutz tut: Sei es durch die enorme Sortenvieltfalt oder als artenreiches Grünland unter den Bäumen oder als Lebens- und Nahrungsort.

Albert Koch

Anschließend gab es am Hof selbstgemachten Leberkäse in frisch gebackenem Brot sowie Honig und Marmelade.

Den krönenden Abschluss bildeten die Weidetiere und Weideflächen rund um den Hof.

Vielen Dank an die Familie Renz für die freundliche Aufnahme.

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. (LNV) hat den Tag der Artenvielfalt in Baden-Württemberg im Jahr 2022 ins Leben gerufen. Mit dem landesweiten Aktionstag möchte der LNV Bewusstsein für die Naturschätze Baden-Württembergs schaffen und die Themen Biodiversität und Artenkenntnis in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken. Am „Tag der Artenvielfalt“ dreht sich alles um die faszinierende Vielfalt der Arten im „Ländle“.