Der Echte Frauenspiegel oder auch Venusspiegel genannt (Legousia speculum-veneris) zählt zu den schönsten, aber selten gewordenen Ackerwildkräutern. Sowohl in Deutschland, als auch in Baden-Württemberg gilt er als stark gefährdet. Der lateinische sowie der deutsche Name stammen daher, dass sich die Blüten in der Sommerhitze so weit entfalten, dass eine flache Ebene entsteht und die glatte Oberfläche ihrer Blätter in der Sonne glänzt. Dieser Glanz erweckte die Vorstellung, dass sich Venus, die römische Göttin der Schönheit, in diesem „Spiegel“ betrachtet haben könnte.
Die zarte, einjährige Pflanze beeindruckt besonders mit ihren intensiv violetten Blüten, die von Juni bis August erblühen. An einem kantigen Stängel entfalten sich an einer lockeren Rispe 5 bis 15 Blüten. Beeindruckend ist, dass sich die Blüten erst bei Sonnenaufgang öffnen und sich am späten Nachmittag wieder schließen. Ihre kleinen, wechselständig angeordneten Blätter messen 1 bis 3 cm. Nach der Blüte bilden sich ab September längliche Kapseln, die bis zu 3.000 Samen enthalten. Einige Samen keimen bereits im Herbst, die meisten überstehen jedoch den Winter und erwachen erst im Frühjahr.
Legousia speculum veneris stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und hat sich mit der Landwirtschaft hier vor langer Zeit angesiedelt. Die Art gilt als äußert konkurrenzschwach. Sie bevorzugt trockenwarme, kalkhaltige und eher magere Standorte. Dabei findet sie sich meist auf lehmig bis tonigen und skelettreichen Ackerflächen. Sie ist teilweise auch in kurzlebigen Unkrautfluren anzutreffen. Da sie auf eine regelmäßige Bodenstörungen angewiesen ist, geht ihr Vorkommen verloren, wenn die Fläche über längere Zeit brachliegt.
Somit ist der Echte Frauenspiegel auf die Landwirtschaft angewiesen, nur mit angepasster Bewirtschaftung kann er künftig Teil der Kulturlandschaft bleiben und einen ökologischen Beitrag leisten.